Grundsätzliche Informationen zum Dreh mit HD
häufige Fragen (in Bezug auf tape-basierte Aufnahme)
Cliché: HD ist billiger als Film
Erfahrung: Natürlich entfallen die Kosten für das Kopierwerk. Aber weder die Kosten für Kamera und Optik, noch die Menge der Technik (inkl. Licht) sind bei den meisten Produktionen geringer.
Der gestalterische Aspekt des Lichts bleibt primär. Auch Sony kann nichts an dem Umstand ändern, daß Licht nur sekundär zum "Hell machen" genutzt wird:-)
Und selbst in diesem Punkt muß man sich klar machen, daß z.B. eine Sony F-900 für Kunstlicht "nur" zwischen 320 und 400 ASA gerated wird. Auf Grund der höheren Tiefenschärfe kann dies sogar einen höheren Lichtaufwand bedeuten.
Beiden folgenden Aussagen würde ich aber grundsätzlich widersprechen:
- Der Lichtaufwand ist geringer, da es sich um Video handelt.
- Der Lichtaufwand und somit die Anzahl der Drehtage oder Crewmitglieder ist höher, da in jedem Fall mehr Zeit für das Licht benötigt wird.
Im Kamera-Department gibt es grundsätzliche Veränderungen für die Arbeit des Loaders, an dem allerdings nicht gespart werden sollte. Ausserdem kommt meist ein DIT/vision control/HD-Consultant hinzu.
HD-Tapes gibt es für die Aufnahme in der Kamera (Camcorder-Betrieb) mit 40, 32, 22 (und auch 12 & 6) Minuten. Die aufgedruckte Angabe ist allerdings relativ zur tatsächlich verwendeten Aufnahmegeschwindigkeit, da das Band -analog zum Film- sich bei z.B. 25B/s langsamer als bei 30B/s bewegt. Im 24p-Modus kann man mit einem 40er Band auf knapp über 50 Minuten Laufzeit kommen! (Im nicht-progressiv -interlaced- Modus sind die Laufzeiten kürzer.)
Ein grundsätzlicher Kostenvergleich wie im "Film/TV-Kamermann" 3/2005 kann ein erster Ansatz sein. Jedoch empfiehlt sich erfahrungsgemäß eine produktionsspezifische Überlegung, wenn denn überhaupt die Kosten der allein ausschlaggebende Punkt sind.
Cliché: HD hat wenig Kontrastumfang
Erfahrung:
- HD wird oft mit Umkehrfilm verglichen. Wenn man über Belichtung spricht, kann dies als grobe Regel helfen.
- Das Zonensystem lässt sich nicht wie gewohnt auf Belichtung und das Kontrastverhalten anwenden.
Die Verteilung des Kontrasts von der Arbeitsblende ist nicht gleichmässig nach oben und unten verteilt.
Bei Landschaftsaufnahmen kann man durchaus einen Kontrastumfang von 9-10 Blenden aufzeichnen. Manche Fachliteratur lässt sich sogar zu 11 Blenden hinreissen.
Die Begrenzung des Kontrastumfangs tritt dann zu Tage, wenn Hauttöne ins Spiel kommen. Dann ist die Sorge bei linear verarbeitetem HD nicht mehr die mittlere Arbeitsblende (nach A.Adams), sondern der Bereich von Hautton zu gerade noch zeichnenden Highlights.
Hier wie auch bei low-key- und Nachtsituationen kommt der große Vorteil der Technologie zum Tragen. Die Schattendurchzeichnung übertifft das Verhalten eines Filmnegativs in einer solchen Situation.
Diese erlaubt situationsabhängig eine Verschiebung der Blende zugunsten der Highlights.
Andersherum bietet es sich an, bei low-key mit geringem Kontrast (kaum oder wenig Highlights mit Zeichnung), die Blende zu öffnen, um den Chip besser auszunutzen und einen größeren Detailreichtum/bessere Differenzierung in den Schatten zu erhalten. Vereinfacht: etwas heller als gewollt.
Es gilt: das Dunklerziehen der Schatten ist immer sicherer als das anheben. Sowohl bei unbunten Schwärzen als auch in den Farben können (besonders bei HDcam) Rauschen und Kompressionsartefakte unkontrollierbar werden.
Beide kurz beschriebenen Beispiele zeigen, daß die tatsächliche Belichtung (Blende) bei HD sich regelmässig von dem nach "film-style" gemessenen Licht unterscheidet.
Dem folgt:
- Die Kamera durch den DIT auf eine ungefähre ASA zu raten ist ratsam. Der Zugriff auf die gesamte (Gamma-) Kurve der Kamera schon während der Aufnahme, hat direkte Folgen auf das Verhalten der Kamera in den veränderten Bereichen und somit u.U. auch auf die ASA-Zahl. Dieser kreative Part des Kamera-Setups bedeutet auf das Negativ bezogen, daß nicht nur die verwendete "Emulsion", sondern auch teilweise die Art der "Entwicklung des Negativs" in einem Schritt festgelegt wird (abgesehen von den Veränderungen und Möglichkeiten im Grading).
- Die Anpassungen variieren oft; sind produktionsabhängig (Stil, Licht, Belichtung).
- Eine grundsätzliche(!) Unterbelichtung, wie sie landläufig oft propagiert wird, bietet sich nicht an. Und: möchte man den Effekt einer Überbelichtung erreichen, sollte man sich nicht davor scheuen dies bei der Aufnahme zu tun. Im Unterschied zum Negativ sind diese Entscheidungen (für Highlights und Schatten) mehr oder weniger definitiv, da HD -trotz aller Möglichkeiten bezüglich Farbe und Kontrast (Digital Intermediate)- in der Post nicht den vom Negativ gewohnten Spielraum mitbringt.
- Ein genau eingerichteter Monitor als Belichtungskontrolle ist unerlässlich, Ausnahme: Hat der DP eine gewisse Belichtungserfahrung mit HD, kann/muß er z.B. bei einer Doku mit dem Sucher und Zebra die Blende einrichten.Erfahrungsgemäß erübrigt sich mit einem Monitor der Einsatz eines Belichtungsmessers. Jedem DP ist aber zu empfehlen, den Belichtungsmesser zu Beginn einzusetzen. Nur dann entwickelt sich für das Format ein Gefühl, welches der DP über Jahre für Film entwickelt hat. Durch die Diskrepanz zu gemessener Blende und der (nicht-) vorgenommenen Korrektur nach Monitor (und Waveformmonitor), entwickelt sich am ehesten ein Verständnis. Jeder DIT sollte hier kreativ wie technisch von Beginn an transparent arbeiten, daß der klassische Film-DP sich zügig gut und sicher fühlt.
Cliché HD hat eine zu hohe Tiefenschärfe im Vergleich zu 35mm
Erfahrung:
Betrachtet man nur die Chip- (Bildfenster-) Größe, ist die höhere Tiefenschärfe im Vergleich zum 35mm Film offenkundig (ausführliche Begründungen, Umrechnungsfaktoren etc. geben zahlreiche Seiten im Internet, Bücher und Hersteller).
Diese Betrachtung würde bedeuten, daß HD (mit 2/3 Zoll Chips) die selben Tiefenschärfeverhältnisse hat wie z.B. digi-beta.
Eben dies ist nicht der Fall. Die reine Chip-Auflösung (unbeachtet bleiben hier Kompressionen, Pre-Filter etc.) liegt um mehr als das 2-fache höher als bei SD.
(Dies trifft übrigens auch auf die HD-Optiken zu, die für dieses kleine Bildfenster eine ca. 2,5-fach höhere Auflösung als 35mm-Optiken haben müssen.)
Diese Auflösung muß auf der selben Fläche (2/3-Zoll-CCD) untergebracht werden, wie eine PAL-Auflösung bei digi-beta oder einem 35mm-Negativ.
Neben anderer Unterschiede, die hier nicht weiter erwähnt werden sollen, ändert sich somit auch die Angabe für den angenommenen Unschärfekreis.
Als Beispiel schlage ich meist ein einfachen Test vor.
Richtet man eine Person vor der Kamera mit einer Halb-Nahen ein, mit einer Brennweite von nicht mehr als 28mm und einer Entfernung von ca. 2-3m, wird man auf einem großen Monitor oder in einer digitalen Projektion schnell feststellen, daß, wenn die Person leichte Drehungen nach links oder rechts macht, nur noch eines der beiden Augen wirklich scharf ist.
Diese sehr verkürzte Darstellung in dieser Kurzinfo soll erklären, daß trotz des kleinen Bildfensters, die bei HD subjektiv gesehene Tiefenschärfe eben nicht so groß ist. Aufgrund der hohen Auflösung und des hohen Schärfeeindrucks, stellt das Auge sofort Unterschiede zwischen scharf und weniger scharf fest. Hier besteht ein viel geringerer Spielraum als wie wir ihn vom Film kennen, wo wir in machen Situationen eine Weichheit "übersehen" oder der Unterschied auf Grund des anderen Schärfeeindrucks (im tatsächlich scharfen Bereich) ein geringerer ist.
Daher rate ich jedem Focus-Puller seinen HD-Job nicht weniger ernst zu nehmen als einen 35er-Dreh (und seinen HD-Kelly -wenn überhaupt- kritisch zu nutzen).
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